Saccharin

Saccharin ist der älteste künstliche Süßstoff der Welt.1 Er wurde bereits 1879 zufällig von Constantin Fahlberg an der Johns Hopkins University entdeckt und ist bis heute weltweit im Einsatz.

Steckbrief

Süßkraftca. 300-500x süßer als Zucker1
Kalorien0 kcal2
Glykämischer Index03
E-NummerE9544
HitzestabilJa - geeignet zum Kochen und Backen1
Geschichte des Saccharins

Saccharin war der erste synthetische Süßstoff überhaupt. Während beider Weltkriege erlebte es Hochkonjunkturen, als Zucker knapp war.1 Heute wird es oft in Kombination mit anderen Süßstoffen verwendet, um deren Nachgeschmack zu maskieren.

Vorteile

  • Extrem hohe Süßkraft (300-500x Zucker)1
  • Komplett kalorienfrei2
  • Kein Einfluss auf den Blutzucker3
  • Hitzestabil - geeignet zum Backen1
  • Zahnfreundlich5
  • Lange Haltbarkeit
  • Sehr günstig in der Herstellung

Nachteile

  • Metallisch-bitterer Nachgeschmack bei höheren Konzentrationen1
  • Kein Volumen - kann Zucker in Rezepten nicht 1:1 ersetzen
  • Geschmack wird von manchen als unangenehm empfunden
  • War historisch umstritten (inzwischen rehabilitiert)6

Anwendungsbereiche

Saccharin wird in vielen Produkten eingesetzt, oft in Kombination mit anderen Süßstoffen:

  • Tafelsüße (z.B. bekannte Marken wie "Natreen" oder "Süßstoff")
  • Light-Getränke und Softdrinks
  • Zahnpasta und Mundwasser
  • Medikamente und pharmazeutische Produkte
  • Diätetische Lebensmittel
Tipp: Kombination mit anderen Süßstoffen

Der metallische Nachgeschmack von Saccharin lässt sich durch die Kombination mit Cyclamat oder Aspartam deutlich reduzieren.1 Viele kommerzielle Produkte nutzen daher Süßstoffmischungen.

Gesundheitliche Aspekte

Saccharin hat eine bewegte Geschichte. In den 1970er Jahren wurde es in einigen Ländern verboten, nachdem Tierversuche einen Zusammenhang mit Blasenkrebs bei Ratten zeigten.6

Spätere Studien zeigten jedoch, dass dieser Mechanismus auf Menschen nicht übertragbar ist.6 Das US National Toxicology Program strich Saccharin 2000 von der Liste krebserregender Substanzen.7

Die EFSA hat einen ADI (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) von 5 mg pro kg Körpergewicht festgelegt.1 Für eine 70 kg schwere Person entspricht das etwa 350 mg Saccharin pro Tag - weit mehr, als bei normalem Konsum aufgenommen wird.

Wissenschaftliche Rehabilitierung

Nach jahrzehntelanger Forschung gilt Saccharin heute als sicher für den menschlichen Verzehr. Die EFSA, FDA und andere Behörden weltweit haben den Süßstoff nach umfangreicher Neubewertung freigegeben.17

Fazit

Saccharin ist ein bewährter, kalorienfreier Süßstoff mit sehr hoher Süßkraft. Sein metallischer Nachgeschmack lässt sich durch Kombination mit anderen Süßstoffen minimieren. Nach seiner wissenschaftlichen Rehabilitierung gilt er heute als sicher für den menschlichen Verzehr.1

Quellen

[1] EFSA Panel on Food Additives (2020): Scientific Opinion on the re-evaluation of saccharin and its sodium, potassium and calcium salts (E 954). EFSA Journal 2020;18(6):5959
[2] EU-Verordnung Nr. 1169/2011 Anhang XIV: Energiewerte für Lebensmittelzusatzstoffe. EUR-Lex
[3] Raben A, Richelsen B (2012): Artificial sweeteners: a place in the field of functional foods? Focus on obesity and related metabolic disorders. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2012 Nov;15(6):597-604
[4] Europäische Kommission: Verordnung (EU) Nr. 231/2012 - Spezifikationen für Lebensmittelzusatzstoffe (E954). EUR-Lex
[5] Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Süßungsmittel und Zahngesundheit. bzfe.de
[6] Whysner J, Williams GM (1996): Saccharin mechanistic data and risk assessment: urine composition, enhanced cell proliferation, and tumor promotion. Pharmacol Ther. 1996;71(1-2):225-52
[7] National Toxicology Program (2000): Report on Carcinogens - Saccharin Delisting. NTP